Um unsere Webseite für Sie optimal zu gestalten und fortlaufend verbessern zu können, verwenden wir Cookies. Durch die weitere Nutzung der Webseite stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen zu Cookies erhalten Sie in unserer Datenschutzerklärung.

Seneit Debese von Greta & Starks über barrierefreies Kino

Im Jahr 2017 hat sie noch einen der beliebten Deep Tech Awards für ihren innovativen Beitrag, Inklusion mit smarter Technologie nicht nur erschwinglich, sondern dadurch überhaupt erst möglich zu machen, gewonnen. Zwei Jahre später bewertet Seneit Debese, CEO und Gründerin von Greta & Starks die Einreichungen für den Deep Tech Award 2019 als Jurymitglied.

Seneit Debese ist eine Unternehmerin mit Vision. Im Jahr 2012 entwickelte sie zwei Apps für Hörgeschädigte und Sehbeeinträchtigte, um barrierefreies Kino zu ermöglichen: Greta & Starks. Heute ist sie ein 3-Mann-und-eine-Frau-Unternehmen am Prenzlauer Berg. Zu ihren Kunden gehören mittlerweile Verleiher wie Universal oder Disney.

Guten Tag Frau Debese, wie genau funktionieren Greta & Starks und was ist der Vorteil zu anderen Lösungsansätzen?

Unser Ziel ist es grundsätzlich, das sympathische, offene iTunes für Audiodeskriptionen, spezielle hard-of-hearing-Untertitel – kurz HoH – und zusätzlich internationale, also fremdsprachige Untertitel zu werden. Die Apps machen die gewünschte barrierefreie Fassung unabhängig vom Filmmedium zugänglich. Damit kann sich jeder die gewünschte Audiodeskription oder Untertitel dort abspielen, wo er sie braucht. Einer unserer Anwender hat sich zum Beispiel im Flugzeug nach Miami einfach Untertitel über Starks abgespielt. Unsere Apps funktionieren im Grunde wie die Musikidentifizierungs-App Shazam, nur offline. Unsere Lösung ist softwarebasiert, sie funktioniert grundsätzlich weltweit und kostet die Kino- und Filmbranche nur ungefähr ein Prozent im Vergleich zu hardwarebasierten Lösungen. Mit dieser Innovation sind wir das erfolgreichste Unternehmen in diesem Bereich. Unser Ziel ist es ein Marktvolumen von 62 Millionen Euro in Europa zu erschließen.

Nun haben Sie als kleines Team nicht die Ressourcen, eigenständig Audiodeskriptionen und Untertitel zu erstellen. Sie sind auf Kooperationen angewiesen. Wie sieht diese Zusammenarbeit aus und welche Relevanz genießt dort das Thema „barrierefreies Kino“?

Audiodeskriptionen gibt es schon fast 40 Jahre. Dennoch waren Audiodeskriptionen und Untertitel insbesondere im Kino nicht zugänglich. Der Mensch kann seit fast 50 Jahren auf den Mond fliegen, da müsste es doch auch möglich sein, Audiodeskriptionen und Untertitel ortsunabhängig, einfach, flächendeckend und offline zugänglich zu machen. Daher haben wir Greta & Starks entwickelt. Unsere Anwendungen sind für die User und die Kinobetriebe kostenlos. Unsere Auftraggeber sind die Verleiher. Mit den Kinobetrieben bilden wir eine Allianz, beziehungsweise ein Partnernetzwerk, das auch Österreich und die Schweiz umfasst, um dieses Angebot für blinde, gehörlose, visuell und hörbeeinträchtigte Menschen, ihre Familien und Freunde flächendeckend und günstig auf vielfältige Art und Weise zu kommunizieren. Als Kinobesucher fällt ihnen sicherlich auch unser Logo, unser Trailer, ein Plakat oder ähnliches auf.

Und wie kommt Greta & Starks bei den Verleihern an?

Die Zusammenarbeit mit den Verleihern, insbesondere mit Verleihern wie Universal, Piffl Medien, Concorde, Weltfilm, X-Verleih, Warner, Fox, StudioCanal et cetera funktioniert sehr gut. Universal ist der erste Verleiher, der durch die Möglichkeit Filme über unsere Apps zugänglich zu machen, begonnen hat, alle seine Filme, auch die internationalen Filme, mit Audiodeskriptionen und Untertiteln zugänglich zu machen. Dadurch können Blockbuster wie 50 Shades of Grey, Minions, Jason Bourne und viele mehr zugänglich sein. Während manche Verleiher dem Thema eine große Relevanz beimessen und sich selbstverständlich, überdurchschnittlich engagieren, gibt es aber auch Verleiher, auch Berliner Verleiher und vor allem Fernsehanstalten, die wir noch gewinnen und überzeugen wollen.

Wie viele Filme haben Sie denn bereits in Ihrer Datenbank? Liegt der Fokus auf einem bestimmten Genre?

Zum ersten Mal in der fast 100-jährigen Geschichte des Kinos sind zurzeit über Greta & Starks über 140 Filme barrierefrei zugänglich, es kommen in diesem Herbst und Winter noch circa 70 weitere Filme hinzu. Unter anderem machen wir über 30 Filme für das DOK-Filmfest Leipzig zugänglich. Unser Ziel ist es, alle Filme im Kino auf DVD, VOD und im TV zugänglich und damit ein möglichst breites Angebot einfach gemeinsam erlebbar zu machen. Wir freuen uns, dass wir zu weiteren Initiativen wie zum Beispiel zu dem Blog einer blinden Kinoenthusiastin beitragen konnten. Zusätzlich sind wir zurzeit dabei unser Ziel „Kino für alle“ in weiteren Ländern wie unter anderem Frankreich, Polen, Israel und Brasilien einzuführen.

Berlin hat eine vielfältige und aktive Kreativ- und Medienszene. Welche Rolle spielte dies bislang für den Aufbau Ihres eigenen Netzwerks?

Die ersten zwei Jahre waren eine intensive Aufbauzeit, in der wir hauptsächlich für die Etablierung unserer Lösungen und Innovationen gekämpft haben. Jetzt, da wir auch unser spezielles Headset zur Projektion von Untertiteln, zum Beispiel im Kino, nahezu fertig entwickelt haben, freuen wir uns auf einen intensiven Austausch. Unter anderem konnten wir dank des Media Residency Program im Sommer für drei Monate die Berliner Startup-Szene in New York präsentieren. Gleichzeitig war dies die einzigartige Gelegenheit unsere Apps in den USA vorzustellen und den Markt zu evaluieren. Es hat sich bestätigt, dass es für diese softwarebasierte Lösung – unsere Apps Greta & Starks – auch in den USA eine große Nachfrage gibt. So sind wir zudem noch intensiver mit der Berliner Kreativ- und Medienszene in Kontakt gekommen.

Von der Unternehmensgründung bis hin zur Vermarktung der App – wie haben Sie das anfangs finanziert? Haben Sie dabei auch Erfahrungen mit Berliner Förderprogrammen gemacht?

Ich habe vor Greta & Starks als Verleiherin gearbeitet, daher haben wir bei unseren ersten Schritten von Filmförder-Tools wie zum Beispiel vom Medienbord profitiert. Wir hatten von Anfang an viel Unterstützung von der Investitionsbank Berlin, von der wir diverse Förderprogramme in Anspruch genommen haben, von Berlin Partner und von der Investitionsbank des Landes Brandenburg. Unser Headset Starks Glass zur einfachen und kabellosen Projektion von Untertiteln haben wir mit dem Transfer BONUS und dem Design Transfer Bonus finanziert. Letztes Jahr haben wir sogar noch den mit 10.000 Euro dotierten Creative Technology Award der Berliner Senatsverwaltung für Wirtschaft, Technologie und Forschung gewonnen. Also: Wir haben mit den Berliner Förderprogrammen nicht nur gute Erfahrungen gemacht, wir fühlen uns rundum gut aufgehoben und sind froh über die vielfältige Unterstützung.

Mit der Entwicklung Ihres Headsets haben Sie sich auch an ein Hardware-Projekt herangewagt – dies ist sicherlich mit viel Aufwand verbunden?

Ja! Und vor allem: Die Finanzierung ist schwierig. Wir entwickeln ein günstiges, spezielles Headset zur Projektion von Untertiteln im Kino, aber auch im Theater oder in der Oper, um eine flächendeckende Bereitstellung von Untertiteln für gehörlose und internationale Zuschauer zu ermöglichen. Die Entwicklung hat aufgrund fehlender Finanzierung länger gedauert als nötig. Umso glücklicher sind wir, dass wir am Ende dank Berlin Partner auf Transfer BONUS und Design Transfer Bonus gekommen sind und auch unterstützt wurden, die Fördermittel zu akquirieren. Es würde uns als kleines, aufstrebendes Unternehmen allerdings noch mehr helfen, wenn zum Beispiel 80 Prozent der Fördermittel sofort ausgezahlt werden könnten. Das ist etwa im Filmförderbereich üblich und sehr hilfreich. Die Teams beim Transfer BONUS und Design Transfer Bonus sind sehr kompetent, unterstützend, freundlich und nicht zuletzt sehr geduldig.

Frau Debese, können Sie bitte zum Schluss noch folgenden Satz beenden: Berlin ist...

... genau so, wie es mir gefällt. Hier kann jeder die ganze Bandbreite seiner Diversität in Harmonie leben.